Geschichte

1254     kam der Ritter Henricus Korff aus der Grafschaft Mark an der Lippe nach Vuchthorpe (Füchtorf) und heiratete Ludmodis, die Erbtochter des dort ansässigen Ritters. Die Familie bewohnte die Burg auf dem jetzigen Kirchplatz.

1309     nutzte sein Sohn, Henricus II, den Wasserreichtum aus, um auf dem Sytherkamp eine wehrhafte Burg zu errichten. Sie bestand aus zwei Flügeln mit einem schmalen Mittelteil. Da der moorige Untergrund kein festes Fundament zuließ, mussten die Burg sowie die Vorgebäude auf Fichten- und Eichenpfählen gebaut werden.
Die Burganlage wurde mit mehreren Gräfteringen umgeben, um vor feindlichen Angriffen besser geschützt zu sein.
In dieser Zeit
waren Plünderungen und Raubzüge an der Tagesordnung. Henricus II heiratete die Erbtochter Wigburdis (Wibbecke) von Varentrob, die das Gogericht von Warendorf erbte. Das Gogericht bestand aus 9 Kirchspielen. Es war nicht nur eine gute Einnahmequelle, sondern bedeutete auch eine Stärkung der Macht der Familie in Kreis Warendorf. Henricus II verbrachte seinen Lebensabend im Kloster Marienfeld, wo er auch gestorben und begraben ist.

1334     wurde der gesamte Besitz unter die beiden Brüder Henricus und Everard geteilt. Die Teilung umfasste nicht nur Burg und Vorgebäude sondern auch Feld, Wald und Gewässer. Die Legende erzählt, dass die Teilung per Würfelspiel erfolgte. Auf den Ruf „Smiet in“ erwürfelte der ältere Sohn Henricus den östlichen Teil der Burg und nannte sich fortan „Korff-Smising“ (Smising). Möglicherweise könnte man eine  Lautverschiebung von „Smiet in“ vermuten. Everard erhielt den westlichen Teil der Burg. Seine Nachkommen leben in unmittelbarer Erbfolge bis heute in Harkotten. Der Grundbesitz wurde parzellarisch aufgeteilt, ebenso teilte man die verschiedenen Häuser und Gewässer. Es kann sein, dass beabsichtigt war, dass keiner den ererbten Besitz in Zusammenhang verkaufen konnte. Inzwischen wurden durch die Flurbereinigung unter Mitarbeit der Eigentümer die Besitzverhältnisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu geregelt, sodass jede Familie einen arrondierten Besitz hat.

1498     heiratete Henrich Korff gnt. Schmising Elseke Hoberg zu Tatenhausen. 1540 wurde das Wasserschloss erbaut. Die Nachkommen der Familie wohnen noch heute dort. Ende des 14. und im Verlauf des 15. Jahrhunderts zogen viele Mitglieder der Familien Korff und Korff-Schmising ins Baltikum und nach Russland, wo sie zunächst mit dem Deutschen Orden dort kolonisierten. Sie kamen zu hohen Ämtern und Würden am Zarenhof. Ferner wurden sie mit Besitzungen belohnt. Durch die Kriege – 1. und 2. Weltkrieg – wurden die Familien dort vertrieben und leben alle im Westen Europas. Sie betrachten noch heute Harkotten als ihre Wurzel.

1615     erlosch die Familie Korff-Schmising im Mannesstamm. Die Erbtochter Christine heiratete Goswin von Ketteler. Von da an lebten in Harkotten zwei Familien, Freiherr von Ketteler und Freiherr von Korff. Aus der Familie der Freiherren von Ketteler ist der berühmte Bischof von Mainz, Wilhelm-Imanuel Freiherr von Ketteler hervorgegangen, der sich im 19. Jahrhundert vehement im Zeitalter der Industrialisierung für die Belange der Arbeiter eingesetzt hat. (150. Todestag im Jahr 2002).

1755     ließ  Goswin von Ketteler den Flügel seines Burgteils abreißen und vom münsterschen Artillerieleutnant Gröninger einen repräsentativen Barockbau erstellen. Das Schloss und die Vorgebäude des Schlosses von Ketteler werden heute gewerblich genutzt und sind nicht zu besichtigen.

1804 – 1806     entschlossen sich Friedrich-Anton von Korff und seine Gemahlin Rosine, geb. Gräfin von Korff-Schmising – nach Abriss des Westflügels – durch einen jungen Architekten, Adolf von Vagedes, ein Schloss im neoklassizistischen Stil erbauen zu lassen. Es war sein Erstlingswerk, das er mit 29 Jahren erdachte. Sein Vorbild war Schloss Wörlitz in Sachsen-Anhalt. Vagedes schuf ein schlichtes, klassizistisches Gebäude mit klaren Linien. Die Westfassade ist durch drei Risalite aufgeteilt. Vor dem Mittelrisalit befindet sich ein Portikus mit vier dorischen Säulen, darüber ein Balkon, der von einem dreieckigen Flachgiebel gekrönt wird. In dem Dreieck befindet sich das Wappen der Erbauer. Im Gegensatz dazu werden die Seitenrisalite von schmalen Lisenen umrahmt, die in Dachhöhe durch eine niedrige Balustrade ihren Abschluss finden. So zeigt das Schloss Harkotten gleichmässig betonte Schlichtheit, harmonische Gliederung, einfache Symmetrie und sparsames Dekor.

1831     wurde der Schlossplatz in Anlehnung an den bekannten Gartengestalter Peter Lenné mit einem runden Teich und einem Wirtschaftsgebäude gestaltet. Alle Gebäude einschließlich der Hofanlage stehen unter Denkmalschutz.